Samstag, 4. Dezember 2021

Der Rintelner Ratskeller im Wandel der Zeit

Der Ratskeller im Wandel der Zeit

Die Zeiten wandeln sich und mit ihnen auch die Gebäude. Der Ratskeller, das frühere Rintelner Rathaus, hat wechselvolle Zeiten erlebt und sein Erscheinungsbild immer wieder verändert. Im Mittelalter errichtet, erhielt das Gebäude in den 1590er Jahre seine heutige Spätrenaissancefassade. Der kleinere westliche Trakt war schon einig Jahrzehnte früher im Stil der frühen Weserrenaissance gestaltet worden.

Zur Erbauungszeit um 1600 war der Ratskeller, das damalige Rathaus, wie alle Steinbauten der Weserrenaissance mit einem Mauerwerksputz versehen. Er verdeckte die unruhige Wandfläche aus Bruchstein und lenkte die Aufmerksamkeit stärker auf die reich verzierten Tür- und Fenstergewände aus Obernkirchener Sandstein. Auch die „Bossenquader“ der Ecksteine und die Ornamente der reichverzierten Utlucht blieben sichtbar, vermutlich waren sie mit dünnem Farbauftrag bunt bemalt.

Mit der Zeit allerdings verblassten die Farben, die Putzflächen wurden unansehnlich und das ganze Gebäude mehr und mehr baufällig, sodass der Rat 1846 kurzerhand entschied, es abzureißen und neu bauen zu lassen. Der Neubau, für den die Bauentwürfe noch im Stadtarchiv lagern, kam dann glücklicherweise nicht zustande. Man entschloss sich aber 1890 zur Sanierung der Fassade und entfernte dabei die Reste des alten Putzes. Dies Entscheidung stieß damals auf Kritik aber Steinsichtigkeit war in Mode und gab Burgen, Kirchen und eben auch Rathäusern etwas historisch-rustikales. Auch das Schloss und Rathaus in Stadthagen zeigten sich nun ohne Putz in Bruchsteinoptik.

Im Einklang mit den einstigen Bauherren stand dieses veränderte Erscheinungsbild nicht und auch Kunsthistoriker störten sich daran. 1962, als das damalige Rintelner Rathaus wieder saniert werden musste, entschied man sich dafür für eine fachlich richtige Verputzung des Baus. Die behauenen Schmuckelemente bekamen einen dünnen Anstrich, auch das war historisch korrekt. Was die konkrete Farbgestaltung anging, gingen in der Stadt die Meinungen auseinander. Schließlich entschied sich der Rat gegen ein Silbergrau und für einen blassgelben Anstrich der Putzflächen und für eine zartrote Tünchung der Sandsteinelemente. Dennoch, viele Rintelner erkannten ihr Rathaus nachher kaum wieder und wurde nicht recht warm mit der Neugestaltung . Hinzu kam, dass der Putz schon sehr bald anfing unansehnliche Flecken zu bekommen. Als man dann 1988 zu einer Totalsanierung des Gebäudes schritt, war man sich daher außerhalb der Zunft der Baudenkmalpfleger weitgehend einig, den vertrauten Zustand vor 1962 wiederherzustellen. Bei dieser Maßnahme wurde das gesamte Innere des Hauses entfernt und die Giebel abgetragen. Als sie wieder neu errichtet waren, hatte das Bauwerk das heutige Erscheinungsbild.

Stefan Meyer

 

Die Standerker des jüngeren, rechten Gebäudes, waren damals noch vor dem Obergeschoss frei hängende hängende Erker gewesen und wurden erst um 1780 aus statischen Gründen mit einem Mauerwerk bis auf den Boden unterfangen und abgestützt.

Von der Jahreszahl 1583 im Giebel des kleineren, rechten Gebäudeteils darf man sich nicht täuschen lassen. Es benennt vermutlich eine Renovierungsmaßnahme, die prägenden Fassadenteile sind mindesten 20 Jahre älter.

Eine Hinzufügung jüngeren Zeiten sind das 1904 über dem Portal an der Kirchplatzseite angebrachte Stadtwappen – noch in der alten Form, so wie es vor der Neugestaltung durch die Nationalsozialisten zum 700. Stadtjubiläum im Jahr 1939 ausgesehen hat. Um 1930 entstand die prächtige Bleiglas-Laterne, die bis heute den Haupteingang der Markplatzseite schmückt.

Stefan Meyer

 

 

Quellen:

Ratsprotokoll 1846 im Stadtarchiv Rinteln

Schaumburger Zeitung 1890, 1904, 1962,

Broschüre 25 Jahre Stadtsanierung Rinteln

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