Sonderausstellung vom 25. Februar bis 25. September 2022

„Hexenwahn! Glaube. Macht. Angst.“

 

Der Glaube an Hexerei und die Macht von Teufeln oder Dämonen ist eine weltweite Erscheinung.  Auf allen Kontinenten und in allen Zeitaltern haben Menschen an die Möglichkeit einer Verbindung mit übernatürlichen Kräften, die menschenähnliche Gestalt annehmen können oder in besonderen Menschen ihre Wirksamkeit entfalten können, geglaubt.

Aber Glauben hat nicht nur festigende, tröstende Macht, sondern transportiert auch Ängste und Unsicherheiten. Schutzzeichen und -rituale, Amulette, Talismane sind auch heute noch Ausdruck dieser Angst und den Versuchen, sie zu beherrschen.

Bis in die Gegenwart gab und gibt es immer wieder Anfeindungen, Ausgrenzungen und sogar Morde an angeblichen Hexen und Zauberern. Im frühneuzeitlichen Europa mit seinem frühmodernen Justizwesen geschah dies durch Prozesse, die zwar meist strengen Regeln unterlagen aber nicht weniger grausam und verheerend waren.

 

Hexenglaube weltweit

Die Ausstellung führt in großen anschaulichen Bildern und mit zahlreichen Originalen in die facettenreiche Welt der Hexereivorstellungen ein. Ob im Islam oder im Christentum, in Afrika oder vorchristlichen Europa – der Zauberglauben kennt fast keine Grenzen. Vom Voodoo-Fetisch bis zum Augenamulett, von reflektierenden Spiegeln bis zu Schutzzeichen und Bauopfern erzählen originale Exponate aus ihren unterschiedlichen Kulturen.

 

Mitteleuropa im Hexenwahn!

In Europa war nicht das Mittelalter sondern die sogenannte Frühe Neuzeit vom 16.- 18. Jahrhundert die eigentliche Epoche des Hexenglaubens und der Verfolgung angeblicher Hexen und Hexenmeister. Die Ausstellung gibt mit Bildern und Exponaten Einblicke in die Lebens- und Vorstellungswelt dieser Zeit.

 

Kirche und Juristenmacht

Ab etwa 1550 erhielten die alten Ängste Unterstützung durch ein immer besser wirksamer funktionierendes Justizwesen. Immer häufiger kam es nun zu Prozessen gegen angebliche Hexen und Zauberer. Wie verliefen solche Verfahren? Wer war von ihnen betroffen, wer nicht? Gab es die Möglichkeit aus einem Prozess unbeschadet wieder herauszukommen? Welche Rolle spielte die Folter?

Beeindruckende Originale, von originale Prozessakten bis zum bis hin zum Schädel einer mutmaßlich Enthaupteten sind authentische Zeugen dieser Zeit. Eine interaktive Station versetzt den Besucher in die Rolle einer angeklagten Person.

 

Aufklärung und Befreiung

Jede Epoche hat auch ihre Helden. Frühmoderne Aufklärer riskierten oft Kopf und Kragen, wenn sie Verfahren kritisierten oder gar den Hexenglauben als solches infrage stellten. Doch nach rund 100 Jahren war es soweit. Kirche, Staat und Bürgertum lösten sich aus den überlieferten alten Ängsten wandten sich einer neuen, rationaleren Weltbetrachtung zu. Die Ausstellung stellt einige der bedeutendsten Überwinder des alten Aberglaubens vor.

 

Hexenglaube totgelacht?

Heute ist der Hexenglaube in Europa – von Ausnahmen abgesehen – Vergangenheit. Dagegen sind die einstigen Angstbilder zu einem verbreiteten Genre der Kunst, Literatur und Unterhaltung geworden. Zum Gruseln, zur Belustigung , als erotische Klischees oder als Allmachtsphantasien in spektakulären Filmen, Romanen oder Computerspielen. Was ist in unserer heutigen, pluralistischen Gesellschaft davon übrig?

 

Gefördert durch:

Stiftung Niedersachsen

Niedersäschische Sparkassenstiftung

VGH-Stifung

Sparkasse Schaumburg

 

 

 


Die Eulenburg. Museum Rinteln.